Die Gelenkarmmarkise ist sicherlich das am weitesten verbreitete Beschattungssystem für Balkons, Terrassen und Freiflächen generell. Ob diese nun als offene Anlage unter der Balkonplatte montiert, als Hülsenmarkise oder als Kasten- bzw. Kasettenmarkise, ausgeführt wird, in jedem Fall wird die Tuchspannung über 2 oder mehrere Gelenkarme, welche ihrerseits über meistens innenliegende Federn auf Spannung gehalten werden, übertragen. Die Anlagen werden daher im Sammelbegriff Gelenkarmmarkise zusammengefasst.

Deren Funktionsprinzip ist bauartbedingt nahezu identisch und sei nachfolgend beschrieben.

Eine beidseitg gelagerte Tuchwelle, oft mit einem in diese eingeschobenem Motor, rollt das Markisentuch entweder auf- oder ab. In jedem Fall erfolgt die Bewegung bestimmungsgemäß immer über das Anziehen oder Lösen des Tuchs. Das am anderen Ende mit dem Ausfallprofil verbundene Tuch wird durch die unter Federspannung stehenden Gelenkarme von der Tuchwelle weggedrückt. Das Tuch hat somit immer das, durch die Gelenkarme bestimmte, streben von der Tuchwelle wegzukommen. Bestimmungsgemäß liegen hierbei Tuchwelle und Ausfallprofil parallel zueinander.

Die Verbindung zwischen der Tuchwelle und den Gelenkarmen erfolgt ausschließlich über das Markisentuch. Den allgemein geltenden Regeln der Statik lassen sich über dieses allerdings nur Zug- keine Druckkräfte übertragen.  Bei ausgefahrener Markise kann es demzufolge keine Durckkrafteinwirkung auf die Tuchwelle und somit auf den Motor geben.

Im Inneren des oberen Armprofils sind Federn eingebaut. Diese werden an der Oberseite verankert und an der Unterseite mittels Seilen, Spanngurten oder Ketten, welche nach außen um das Mittelarmgelenk geführt und dort verankert werden, gehalten.

Wird der Arm nun geknickt (Gelenk) wird der Weg der um das Gelenk herum geführte Kette länger (etwa 45% des Kreisumfangs, also des Gelenkdurchmessers x ? ). Da die Kette sich nicht selbst längen kann, wird die innen liegende Feder gespannt. Hierdurch wird die für die Funktion eines Gelenkarmes benötigte Spannung aufgebracht.

Gelenkarmmarkisen sind Sonnenschutzanlagen, sofern die Nutzung bei Regen gewünscht wird, sind einige Besonderheiten, hier in erster Linie die Tuchneigung, zu beachten.

Mit zunehmendem Ausfall bilden sich systembedingt zunehmend mehr leichte Querzugsfalten im oberen Nahtbereich. Ob diese bestimmungsgemäß oder einen Mangel darstellen, lässt sich nur nach In Augenscheinnahme feststellen. Hier wird oft versucht Fehler durch den sogenannten Nichtfehlerkatalog zu verbergen.

Die Reinigung von Markisenbespannungen ist weder fachgerecht noch technisch möglich. Die im Bewusstsein der Allgemeinheit irrtümlich vorhandene Möglichkeit ist aus verschiedenen Gründen nicht durchführbar.

Markisentücher werden nach dem Weben mit verschiedenen Imprägnierungen ausgerüstet. Dies sind in erster Linie Mittel um eine Wasser – und Schmutzabweisende Wirkung zu erzielen. Auch sollen die Fadenstrukturen möglichst lange rechtwinkelig bleiben und damit ein faltenfreies Tuch gewährleisten. Durch eine von den Gebrauchsanleitungen abweichende Reinigung werden genau diese Effekte zunichte und die bestimmungsgemäße Tuchverwendung ad absurdum geführt. Die Reinigung von kleineren, nicht ins Gewebe eingedrungenen Flecken kann mittels Handwaschmittel bzw. trockenem Abreiben mittels Schaumstoff versucht werden. Die Hersteller geben hierzu vorsichtige Reinigungshinweise ab, begrenzen diese aber immer auch kleinflächige Ereignisse.

 

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